Étape 13 - Freitag 16. Januar 2009 | La Rioja > Cordoba
- Verbindung 161 km
- Spezial 545 km
- Verbindung 47 km
Film zur Etappe
Coma kontrolliert, Roma rettet die Ehre
Auf der vorletzten Rallye-Etappe ist Cyril Despres von Anfang bis Ende vorneweg gefahren und seinen fünften Tagessieg errungen, seinen insgesamt 21. Dakar-Erfolg. Aber der Franzose hat seinen Rückstand auf den Gesamtspitzenreiter Marc Coma nur unwesentlich verkürzen können. Comas Vorsprung an der Spitze beträgt noch 1h28’. Bei den Autos hat Nani Roma mit der besten Tageszeit den Schmerz des Mitsubishi-Rennstalls gelindert. Giniel De Villiers behauptet die Führung in der Gesamtwertung.
Heute Morgen blieben am Start von La Rioja noch 447 Kilometer Wertungsprüfung der Dakar-Auflage 2009 an zwei Tagen zurückzulegen. Im Motorradrennen betrug der Abstand zwischen dem führenden Coma und seinem ersten Verfolger 1h29. Der Franzose müsste also pro Kilometer etwas mehr als 13 Sekunden aufholen. Oder anders ausgedrückt: Eine nahezu aussichtslose Mission für den Titelverteidiger, dem aber dennoch das Unheil desselben Kontrahenten von vor zwei Jahren bei der vorletzten Rallye-Etappe im Kopf herumgespukt haben dürfte. Damals war der Katalane gegen einen Baum geprallt und hatte dadurch jegliche Chance auf einen zweiten Dakar-Gesamtsieg verspielt.
Allerdings scheint 2007 längst der Vergangenheit anzugehören, und den Katalanen hat die Panik heute nicht überkommen. Der hinter seinem Rivalen losgefahrene Coma hat seinen eigenen Rhythmus beibehalten, ohne den vorausfahrenden Despres um jeden Preis einholen zu wollen. Wie schon am Vortag hat Cyril Despres sein ganzes Können unter Beweis gestellt. Der alleine an der Spitze fahrende KTM-Pilot hat sich unaufhörlich weiter von seinen Rivalen abgesetzt. Beim CP1 (Km 133) lagen diese schon über eine Minute zurück. Im Ziel feiert er seinen fünften Etappensieg der diesjährigen Dakar-Ausgabe mit einem Vorsprung von 1’45 vor Coma und 2’47 vor David Frétigné und schraubt seine Anzahl Tagesiege auf insgesamt 21. In der Gesamtwertung bewahrt der Spanier einen Vorsprung von 1h28 vor Despres und 1h34 vor Frétigné. Es müssen jetzt nur noch 227 Kilometer zurückgelegt werden.
Auf der heutigen Wertungsprüfung gab es für die drei noch im Rennen verbliebenen Race Touareg sicher mehr zu verlieren als zu gewinnen. Vielleicht hat genau diese nüchterne Erkenntnis die VW-Piloten dazu veranlasst, eine unergründliche Strategie zu wählen. Wie dem auch sei: Nach nur vier Rennkilometern haben Giniel De Villiers und Mark Miller angehalten und Robby Gordon die Verantwortung überlassen, die Piste zu öffnen, um anschließend auf ihren Teamgefährten Dieter Depping zu warten. Als sie beisammen waren, hat der blaue Konvoi hinter Gordon seinen Weg wieder aufgenommen, ohne sich aber ein Verfolgungsrennen zu liefern. Niemand weiß, ob der taktische VW-Coup die Lenkmanöver von Gordon gestört oder beeinflusst hat, aber der Hummer musste bei Km 30 eine kleine Zwangspause von etwa 20 Minuten Dauer einlegen.
Die unerwarteten Ereignisse zu Beginn der Sonderprüfung haben die Protagonisten rasch ins zweite Glied gerückt, um Platz für einige Piloten mit Wiedergutmachungsgedanken zu machen. Zunächst einmal haben sich mit den besten Zwischenzeiten bei Km 64 und 133 zwei WRC-Spezialisten hervorgetan: Guerlain Chicherit und Krisztof Holowczyc… Doch das war, bevor der heute viel mehr als gestern zum Feiern aufgelegte Joan «Nani» Roma auftauchte. Gestern noch hatte er das Biwak am späten Abend mit einem ramponierten Motor erreicht. Nach einer erholsamen Nacht für Pilot und Auto war Roma auf diesen kurvenreichen Straßen ganz im Stile der WRC geschickter als der Weltmeister im Extremskifahren und Europaabgeordnete. Am Ende der 220 Km langen Sonderprüfung brachte der letzte Überlebende der Mitsu-Armada den brandneuen Lancer 7’18’’ vor der Zeit von Holowczyc und 7’27’’ vor der von Chicherit ins Ziel.
Die Auseinandersetzungen zwischen den Tagesbesten haben die Führenden der Gesamtwertung kaum beeinträchtigt, sind aber ein kleines Trostpflaster für den japanischen Rennstall auf dem Weg nach Buenos Aires, wobei der Lancer Diesel eine mehr als dreijährige Durststrecke beendete. Luc Alphand war tatsächlich der letzte Dakar-Etappensieger für Mitsubishi mit seinem Erfolg in Tambacounda 2006. Dieser ehrenwerte Auftritt wird Giniel De Villiers aber kaum beeindrucken. Sein Schicksal scheint besiegelt: Morgen wird er die letzte Etappe mit einem Vorsprung von 2’20’’ vor Mark Miller und 1h27’ vor Robby Gordon in Angriff nehmen.
Nicolas Gibon, der Führende des Rennens in der Kategorie T2, hat allem Anschein nach auch Gefallen an den lenkintensiven Pisten der Provinz Cordoba gefunden. Mit einem Rückstand von über 27’ auf Roma bei der Wertungsprüfung bleibt er der erste Vertreter seiner Kategorie und baut seinen Vorsprung in dieser Wertung aus. Xavier Foj, sein erster Verfolger in der Klasse Production, hat lediglich 6’ auf Gibon eingebüßt, liegt aber nun schon mehr als eine Stunde zurück.
Auf der Zielgeraden ist die Spannung in der Lastwagenkategorie 24 Stunden vor der Endankunft der Rallye sicher am größten. Die zwar kleinen Probleme, die Wladimir Chagin auf seinem Weg nach Cordoba aufgehalten haben, halfen dessen Teamkollegen und zugleich Rivalen Firdaus Kabirow, einen weiteren Tagessieg unter Dach und Fach zu bringen und die Führung in der Gesamtwertung zu erobern. Unmittelbar vor den Toren von Buenos Aires liegt er nun 3’ vor dem "Zar".
