Étape 12 - Donnerstag 15. Januar 2009 | Fiambala > La Rioja
- Verbindung 4 km
- Spezial 253 km
- Verbindung 261 km
Film zur Etappe
Der Matador ist gebändigt, De Villiers feiert Husarenritt

Nach einem halbwegs vom Wetter erzwungenen Ruhetag standen die noch im Wettbewerb befindlichen Teilnehmer vor einem kurzen aber anspruchsvollen Tag: 213 Km inklusive der letzten, bei dieser 31. Dakar-Auflage noch zu überwindenden Dünen. Die Etappe hätte theatralischer nicht sein können: Für einen Paukenschlag sorgte bei den Autos die Aufgabe von Carlos Sainz, während Marc Coma seine Kontrahenten bei den Motorrädern in Schach zu halten wusste. Cyril Despres feierte seinen insgesamt 20. Tagessieg und kletterte in der Gesamtwertung auf Rang zwei. Bei den Autos sind die Karten unfreiwillig im VW-Team neu verteilt worden: Ein Graben beendete sämtliche Siegesträume von Carlos Sainz, während Giniel De Villiers Fahrfehler von Mark Miller nutzte und gewann. Der Südafrikaner hat die Kontrolle über das Renngeschehen übernommen.
Marc Coma, der unumstrittene Spitzenreiter der Gesamtwertung mit einem Vorsprung von nahezu 90 Minuten brauchte nicht aufs Ganze zu gehen. Der Katalane sollte seine Etappe klug nach Hause schaukeln. Ohne unbewusste Risiken bei der Verfolgung seiner Konkurrenten einzugehen, behielt der mit einem Vorsprung von 2 Minuten auf seinen nächsten Widersacher gestartete Spanier ein ausreichend hohes Renntempo, sodass der hinter ihm liegende David Frétigné ihn nicht einholen konnte. Kurzum: Das Rennen eines würdigen vermutlichen Dakar-Gewinners.
Und im Sand der Provinz Catamarca war Cyril Despres einmal mehr m besten aufgelegt. Die mit Blick auf seine Gesamtsiegchancen verheerenden Reifenprobleme zu Beginn der Rallye scheinen bei der Rückkehr nach Argentinien längst der Vergangenheit anzugehören. Der KTM-Pilot hat sich keine Gedanken über die anderen gemacht, die Führung der Wertungsprüfung nach dem ersten Messpunkt CP (Km 62) übernommen und diese bis ins Ziel behauptet. Ein Einzelrennen, das dem Franzosen zu seinem vierten Tageserfolg der diesjährigen Dakar-Ausgabe, also einem Drittel aller Etappen, verhilft. Insgesamt weist seine Titelbilanz nun 20 Tagessiege bei der Dakar aus. Im Ziel liegt Despres 1’23 vor Marc Coma und 9’47 vor Farres Guell.
Der Titelverteidiger profitiert von den Ölproblemen bei David Frétigné, der über zehn Minuten auf dieser Etappe verliert, und erobert in der Gesamtwertung Rang zwei. Marc Coma führt mittlerweile mit 1h29 vor Despres und 1h33 vor Frétigné.
Carlos Sainz wird die Dakar 2009 nicht gewinnen. Bei Km 79 der Wertungsprüfung stürzt sein Race Touareg in ein ausgetrocknetes Flussbett und bleibt drei Meter tiefer auf dem Dach liegen. Michel Périn klettert mit einer zertrümmerten Schulter aus dem Fahrzeug mit der Nummer 301. Die Unterredung mit dem eilends hergebrachten Arzt bereitet dem Gestikulieren des Spaniers, der noch immer zuversichtlich ist, sich hinter das Steuer zu setzen, ein jähes Ende: Das Rennen ist vorbei.
Mit knapp einer halben Stunde Vorsprung vor seinem Teamkollegen Mark Miller und drei bevorstehenden Etappen ganz nach seinem Geschmack schien der «Matador» den Sieg schon in der Tasche zu haben, und das bei seiner dritten Dakar-Teilnahme. In der Geschichte der Dakar-Rallye hat diese Kehrtwende gute Chancen in die Rubrik «auf den letzten Metern noch abgefangen» aufgenommen zu werden. Auf dem Heimflug nach Madrid wird Sainz viel Zeit haben, über die Pechsträhne von Peterhansel am Vorabend der Ankunft in Sharm-el-Sheik 2003 nachzudenken, und dann auch an zwei Tage bei der Dakar 2006. Sein Landsmann Marc Coma kann seinen Schmerz vielleicht auch lindern, indem er ihn an seine sturzbedingte Aufgabe bei der vorletzten Dakar-Ausgabe 2007 erinnert. Im Kreise der Spitzenreiter, die kurz vor dem Ziel noch abgefangen werden, hat auch sein Mitsu-Rivale Nani Roma herbe Enttäuschungen erlebt, bevor er sich auf dem Motorrad durchsetzte: Beispielsweise 2002 kostete ihn ein Navigationsfehler zwischen Tichit und Kiffa zwei Stunden, zwei Etappen vor dem Ende.
Die Liste der enttäuschten Dakar-Verlierer ist um einen Namen reicher: Carlos Sainz. Die Chancen von Giniel De Villiers stehen hingegen nicht schlecht, dass er seinen Namen in die Liste der Außenseiter-Glückspilze schreibt – Außenseiter, deren Konstanz sich letztlich bezahlt macht. Nach dem Ausrutscher von Sainz machte zunächst Miller seinen Rückstand von 27 Minuten wett und eroberte vorübergehend die Führung in der Gesamtwertung.
Aber der zwischen CP 2 (Km 140) und dem Ziel von De Villiers abgelieferte Husarenritt sorgte für den zweiten Paukenschlag des Tages. Auf seiner Verfolgungsjagd nach La Rioja sichert sich der Südafrikaner seinen dritten Tageserfolg. Vor allem aber sorgt De Villiers nach seiner Sand-Vorführung für einen absoluten Knaller: Er führt die Rallye nunmehr an, 2’35’’ vor Miller. Wenn es bei Volkswagen keine klare Stallorder geben sollte, könnte dieser minimale Abstand auf den beiden schnellen Etappen bis nach Buenos Aires abermals für reichlich Bewegung sorgen.
Im Kampf um Platz drei hat es auch eine Veränderung gegeben, da Joan «Nani» Roma länger im Sand still stand (Km 170), als ihm lieb sein kann, und so den Weg freimachte für Robby Gordon. Der Amerikaner und sein Hummer liegen nun 4h30 vor dem Team Tollefsen-Evans.
Im Lastwagenrennen gab es eine Fortsetzung des Kamaz-Wechselspiels an der Spitze. Firdaus Kabirow, dem die verlorene Zeit für die Hilfeleistung gegenüber einem anderen Konkurrenten bei der 9. Etappe wieder gutgeschrieben wurde, hat gegenüber Wladimir Chagin an Boden verloren. Der «Zar», der seinen 47. Etappensieg bei der Dakar feiert, übernimmt mit einem Vorsprung von 1’33’’ auch die Führung in der Gesamtwertung.
