Étape 10 - Dienstag 13. Januar 2009 | Copiapo > Copiapo
- Verbindung 20 km
- Spezial 670 km
Echos
Jacques Laffite und René Arnoux auf Stippvisite
Bei der Ankunft der Wertungsprüfung von Copiapo haben zwei ehemalige Formel-1-Piloten den Fahrern einen Besuch abgestattet. Beide zeigten sich sehr angetan von den südamerikanischen Landschaften und könnten sich durchaus vorstellen, an gleicher Stelle noch einmal den Rennanzug überzustreifen. Jacques Laffite, der 1988 schon eine erste kurze Erfahrung auf den Pisten der Dakar unternahm (Aufgabe, 4. Etappe), ist die Idee nicht fremd, sich auf dem «neuen» Kontinent hinter das Steuer zu setzen: «Das bringt mich wieder auf den Geschmack, allerdings nur für eine Spazierfahrt, denn mir fehlen die Mittel, um ganz vorne mitzufahren.» Für René Arnoux ist die Begeisterung der Massen Ansporn, ein Projekt auf die Beine zu stellen: «Ich betrete absolutes Neuland und habe den Eindruck, dass die Aufgabe hinter dem Steuer ein echtes Vergnügen sein muss: Ich sehe, dass viele Zuschauer unterwegs sind, wovon alle Autopiloten etwas haben. Ein Formel-1-GP ohne Zuschauer hätte mich nicht interessiert. Die Begeisterung, die man hier mitbekommt, macht einem schon Lust auf mehr.» Die beiden Ex-Piloten sprechen in ihrer Analyse zwar mit einer Stimme, dennoch wird es schwer fallen, sie für den Start der Dakar 2010 im gleichen Auto unterzubringen: «Ich könnte es nicht mit ihm aushalten, weil er Angst hätte, und ich hätte mit ihm Angst. Obschon ich sicherlich mit ihm am sichersten aufgehoben wäre», scherzt Jacques Laffite.
Die Söhne der Atacama
„Siehst du, das sind die Berge, in denen wir aufgewachsen sind. Das Stück Wüste, wo wir mit den Kumpels Motorrad gefahren sind und gepicknickt haben. Das Biwak der Dakar befindet sich im so genannten ‚Base du Puesto 1’. 60 Kilometer nach Süden kommt man zu uns, in das Tal ‚Valle de Copiapo’“. Felipe Prohens ist in seiner Heimat. Sein Bruder steht im Schatten des Begleitlastwagens neben ihm. Felipe legt auf dem 19. Rang, Jaime auf dem 36. Sie sind gelassen, auf die Herausforderung ihrer ersten Dakar-Teilnahme konzentriert. Sie empfinden Stolz. Aber sie wollen nicht nur über Sport sprechen. Jaime zählt all die kargen Gipfel auf, die vom Licht umspielt und vom abendlich aufziehenden Wind umtost werden: „Da hinten geht es zum ‚Cerro de Gloria’. Dahinter liegt ‚El Medanaso’. Die Dakar streift die Gegend, umrundet den Berg aber. Man kann mit dem Motorrad nicht drüber fahren: Es ist der höchste Sandberg der Welt. Auf dieser Seite liegt auch noch ‚La Ballena’.“ Mit einem Lächeln räumen sie ein, dass ihnen ihre Ortskenntnis keinerlei Vorteil bringen wird. „Diese Kilometer werden für jeden hart. Hier geht es wirklich nur darum, anzukommen. Nein, wir haben keine Lust, über Sport zu sprechen. Wir genießen nur die Freude, an diesem Abenteuer teilzuhaben“. Und das in dem monumentalen geheimen Garten ihrer Kindheit.
Atacama ou Sahara?
Nach dem ersten Tag in der Atacamawüste und der Entdeckung ihrer Dünen stellt sich gegenüber den alten Haudegen der Dakar, die beide Kontinente kennen gelernt haben, eine Frage: Sahara oder Atacama? Keiner möchte diese Frage wirklich beantworten. Die Dünen der Atacama finden auf jeden Fall Anklang: „Hier ist es härter, aber auch schöner“, gesteht der Motorradfahrer Norbert Dubois. Aus Sicht von Eric Croquelois, einem regelmäßigen Gesicht bei der Dakar aus der Region Pas-de-Calais: „Das wäre so, als müsste man zwischen seinem Vater und seiner Mutter wählen. Aber das hier ist kein Sand, sondern Staub und auf den Kuppen sehr unregelmäßig. Ich bin etwa 20-mal aus der Bahn katapultiert worden.“ Der Südafrikaner Alfie Cox, der jahrelang auf zwei Rädern antrat, aber in diesem Jahr einen Buggy steuert, sieht die Sache von der technischen Seite: „Es gibt mehr Vegetation und Steine in den Dünen, das macht die Sache leichter. Dafür ist es länger und liegt höher, während es in der Sahara kürzer und steiler zugeht.“
Isidre Esteve: Freude als Antrieb
Unter der Sonne der Atacama ist das Team zufrieden: Isidre trifft ein. Es ist 18h30. Zum ersten Mal läuft alles glatt. Kein Biwak mitten in der Nacht. Keine verkürzte Ruhezeit, keine nächtlichen Auseinandersetzungen mit dem Fahrzeug. „Es ist gut, bei Tageslicht anzukommen“, kommentiert der ehemalige Biker schlicht. Die erste Dakar im Auto nach seinem Unfall war für den behinderten Piloten bisher eine seltsame Rückkehr zu seiner alten Liebe: „Das Auto ist neu bei der Dakar. Wir sind auch neu.“ Isidre Esteve spricht heute Abend nicht über die Probleme mit der Elektrik, den LKW, der ihn von hinten touchiert hat, die verkürzten Nächte – er, der seinem Körper Ruhe gönnen muss, um am nächsten Tag wieder starten zu können – nicht über die aufkeimende Lust aufzugeben. Heute Abend ist die katalanische Presse da. Es herrscht eine Stimmung wie bei einem Familientreffen. Seine Lebensgefährtin Lidia ist dennoch unnachgiebig: „Nach den Interviews gehen wir. Wir essen und er kann sich hinlegen, um sich auszuruhen. Für ihn war es heute zu hart.“ Etwas besser platziert, etwas mehr in seinem Element, strahlt der Champion: „Ich habe wieder Freude daran gefunden. Das ist wichtig.“ Auch Lidia lächelt. „Unser einziges Ziel ist, jeden Abend so wie heute ins Ziel zu kommen.“
