Étape 4 - Dienstag 6. Januar 2009 | Jacobacci > Neuquen
- Verbindung 4 km
- Spezial 459 km
- Verbindung 25 km
Echos
Nachtschicht für Pierrick
Es ist seine achte Dakar-Teilnahme. Und sicherlich ist es seiner im Laufe der Zeit angesammelten Erfahrung zu verdanken, dass Pierrick Bonnet, der es 2002 sogar bis in die Top 30 schaffte, die gestrige dritte Etappe aufnehmen konnte. Alles beginnt kurz nach dem Ende der Wertungsprüfung, die die Teilnehmer bis nach Puerto Madryn geführt hat: «Ich merkte, dass meine Maschine nicht mehr so rund lief, und dann wurde es immer schlimmer. Die 600 Kilometer der Verbindungstrecke habe ich schließlich mit einem Tempo von 50 Km/h zurückgelegt.» Als er dann endlich gegen 1h30 das Biwak erreicht, beginnt die Überprüfung. Pierrick denkt an den Vergaser, doch führen seine Bemühungen zu keinem Ergebnis. Im Motorradbereich suchen mehrere Mitstreiter fieberhaft mit ihm nach des Rätsels Lösung, bevor ihnen ein Licht aufgeht: Der Motor ist dabei, den Geist aufzugeben. Mitten in der Nacht überzeugt Pierrick KTM, ihm einen Motor zu verkaufen. Den Rest der Nacht verbringt er damit, sein Motorrad mit der Hilfe von Steven, eines australischen Mechanikers, wieder instand zu setzen. «Um 6 Uhr waren wir fertig. Das Zelt, in dem ich nicht geschlafen hatte, habe ich wieder zusammengefaltet. Dann habe ich meinen Wasserbehälter aufgefüllt, zwei Energieriegel gegriffen und bin wieder aufgebrochen.» Pierrick Bonnet hat die Etappe auf Position 163 beendet.
Die Dakar der Argentinier
Andrès Memi, Motorradfahrer mit der Rückennummer 196, ist nicht leicht für eine Sache zu begeistern. Doch bei seiner ersten Dakar-Rallye gerät er ins Träumen: «Jedes Kind weiß, dass der Fußball bei uns die Massen elektrisiert. Das gilt auch für Basketball. Aber eine derartige Begeisterung für den Motorsport hatte ich nicht erwartet.» Die argentinischen Teilnehmner hatten sich darauf vorbereitet, die Dakar kennen zu lernen, und jetzt werden sie von ihren Landsleuten überrascht. «Am meisten verwundert mich ihr Patriotismus, ich bin total erstaunt. Selbst in ganz entlegenen Orten wie Jacobacci versuchen die Menschen, uns zu berühren und uns zu ermutigen, weil wir Argentinier sind.» Ruben Marcelo Miti, die Nummer 103, war schon einmal 2007 bei der Dakar vertreten, aber sein Ziel, der bestplatzierte Argentinier in der Abschlusswertung zu sein, ist nicht länger sein Leitmotiv: «Die Leute sind überall. Ich verstehe das nicht. Ich fühle mich, als wäre ich Maradona. Und dabei habe ich die Dakar noch nicht einmal hinter mich gebracht.»
Auto
Der einsame Champion
Um 19h30 patagonischer Zeit, als einige unter der warmen Dusche standen, das Abendessen im Biwak genossen, oder sich ein gutes argentinisches Bier genehmigten, überquerte endlich Weltmeister Yvan Muller den Zielstrich der Wertungsprüfung, der noch etwa 60 Kilometer vom Biwak entfernt war. «Mir ist jedes erdenkliche Übel widerfahren: mein Navigationssystem ging kaputt, ich hatte eine Reifenpanne, der Wagenheber funktionierte nicht, und zusätzlich bin ich gegen eine Absperrung geprallt, und ein Eisendraht hat sich um mein Hinterrad gewickelt». Kurzum, ein schwieriger zweiter Tag, nachdem er schon am Vortag bei der "Gartenarbeit" mächtig ins Schwitzen gekommen war. In der Gesamtwertung liegt der Elsässer mit seinem Einsitzer-Buggy auf Position 80, 6h46 hinter dem Führenden.
Motorrad
Casteu wie aufgeblasen...
Als würden Reifenprobleme nicht ausreichen. David Casteu musste auf der langen Wertungsprüfung zwischen Puerto Madryn und Jacobacci noch ein ganz anderes Problem in den Griff kriegen. Am Vortag war auf dem 600 Km langen Verbindungsstück ein bösartiges Insekt in den Helm des Motoradpiloten geschlüpft und hatte ihn oberhalb des linken Auges gestochen. «Ich habe zwar den Stich gespürt, doch ging alles gut, als der Helm mein Gesicht einklemmte. Als ich den Helm dann aber ausgezogen habe… Das Auge ist immer weiter angeschwollen und war schließlich ganz dicht. Ich dachte schon, die Dakar sei für mich gelaufen... wegen eines Insektenstichs.» Der KTM-Vectra-Pilot hat daraufhin eine Infusion erhalten, und ihm wurde ein Heilerde-Kataplasma auf das Auge verpasst. Casteu hat die Wertungsprüfung des Tages also mit völlig verschobener Brille und leicht schräg aufgesetztem Helm zurückgelegt. «Ich bin mit einem Auge gefahren, und das hat viel Kraft gekostet. Ich sehe nicht schön aus. Wenn meine Kinder mich sehen könnten…» Dabei hat der Pilot aus Nizza die Wertungsprüfung sogar noch auf einem bemerkenswerten vierten Platz abgeschlossen.
Kemal bärenstark
Bei seinen früheren Dakar-Teilnahmen war Kemal Merkit schon einmal in der Kategorie Bike Trunk unterwegs und sammelte ebenfalls «Wehwehchen». Mehrfach hat er sich hervorgetan und die Rallye beispielsweise mit einem Schlüsselbeinbruch beendet. Allerdings gehört seine Tortur auf der 2. Etappe bereits jetzt zu seinem persönlichen Best of. Fünf Kilometer vor dem Ziel der Wertungsprüfung wurde der sympathischste Schnurbartträger der Rallye von seinem Gefährt im Stich gelassen: Motorschaden. «Ich war gezwungen, bis zum Zielstrich und durch ganz feinen Sand zu schieben, obschon ich wusste, dass alles vielleicht für die Katz ist, weil ich mich der Gefahr einer Aufgabe auslieferte», erzählt Kemal. Denn im Ziel blieben ja noch 600 Kilometer Verbindungsstrecke zurückzulegen, mit einer defekten Maschine: «Ich war gezwungen, alle zu bitten mich abzuschleppen, zumindest einige Kilometer lang. Insgesamt haben mir etwa 20 Konkurrenten geholfen. Ich bin um 3 Uhr morgens eingetroffen! Dann musste ich die Leute von KTM wecken, um einen neuen Motor aufzutreiben, und den Rest der Nacht habe ich an der Seite der Mechaniker von Desert Rose mit der Montage verbracht. Ich habe also nicht geschlafen, kann aber sagen, dass die Etappe bis Jacobacci eine Tortur war. Insbesondere mein erst vor wenigen Wochen gebrochenes linkes Handgelenk bringt mich noch um!» Doch sein Selbstvertrauen bleibt unerschüttert, wie Kemal sagt: «Wenn es ein gutes Ende nimmt, ist das meine schönste Geschichte».
